Auch nach meiner Studienzeit nahm ich regelmäßig an Grabungskampagnen teil und vertiefte Wissen und Interesse in verschiedenen archäologischen Fachrichtungen.
1997 fand die zweite Kampagne der auf längere Zeit angelegten Sillyon-Grabung unter Leitung von Dr. Michael Küpper statt, an der ich als Grabungsarchitekt teilnahm. Sillyon liegt in der Nähe von Antalya auf einem Tafelberg, der sich über die Küstenebene zwischen Taurusgebirge und Mittelmeer ca. 80 m erhebt. Die Region wurde in der Antike als Pamphylien bezeichnet.
Die Stadt selbst ist eine Gründung vorgriechischer Zeit, die aber ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. immer mehr unter griechischen Einfluss geriet, so dass selbst die ursprüngliche pamphylische Sprache durch das Griechische verdrängt wurde. Die Stadt zeichnet sich dadurch aus, dass eine Reihe von Gebäuden bis in eine Höhe von fast 4 m, das Stadttor sogar bis 10 m Höhe erhalten sind.
Die Kampagne 1997 widmete sich zwei Gebäuden, die sich am westlichen Rand des Hochplateaus befinden: die in der Literatur so genannte Palästra, sowie ein Gebäude, dass durch eine Inschrift in pamphylischer Sprache in der Wissenschaft Bekanntheit erlangt hat. Beide Gebäude wurden von mir in der Kampagne in Grundriss, Schnitt und Ansicht zeichnerisch aufgenommen.
Schon während der Bauaufnahme wurde mir klar, dass es sich bei der so genannten Palästra nicht um ein Gebäude für Sport handelt, sondern vielmehr um einen Teil der Agora, dass heißt des Marktzentrums der Stadt Sillyon.
Dadurch konnte ich auch das zweiten Gebäude, das mit der pamphylischen Inschrift, einordnen. Es handelt es sich sehr wahrscheinlich um ein Bouleuterion, also ein Versammlungsgebäude der Stadt. Diese Theorie wird meines Erachtens auch dadurch unterstützt, dass sich zwischen beiden Gebäuden die einzige relativ ebene Fläche des Hochplateaus mit einer Ausdehnung circa 30 mal 40 Metern erstreckt.
Die zeichnerische Bauaufnahme erfolgte im mit Unterstützung eines elektronischen Theodoliten und eines CAD-Programms im Maßstab 1 : 50. Leider wurde die Grabung nach 1997 nicht mehr weiter geführt. Eine Veröffentlichung der Bauaufnahmen steht noch aus.